Ausgewählte Ergebnisse der Befragung im Frühjahr 2011

Im Frühjahr 2011 wollten wir wissen, wie sich die Meinungen der Bürger etwa anderthalb Jahre nach der Bundestagswahl verändert hatten. Wir haben deshalb eine Befragung mit 1200 Personen durchgeführt, die wir bereits 2009 befragt hatten.

1. Wechselwahl – FDP verliert den größten Anteil an Wählerstimmen

2. Zufriedenheit mit der Bundesregierung sinkt – auch unter Wählern der Union und FDP

3. Stimmungswechsel in der Frage der Kernenergie nach dem Unglück in Japan

 

1. Wechselwahl – FDP verliert den größten Anteil an Wählerstimmen

Nach etwa zwei Jahren Amtszeit der aktuellen schwarz-gelben Koalition haben sich die Wahlabsichten der Wähler im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 zum Teil erheblich geändert.

Anteil der treuen Wähler nach Partei zwischen 2009 und 2011

Von den Wählern der Union 2009 hätten sich 2011 knapp zwei Drittel (61%) wieder für die CDU bzw. CSU entschieden. Unter den SPD-Wählern lag der Anteil der treuen Wähler nur knapp darunter. Ganz anders sieht es bei der FDP aus. Nur jeder fünfte Wähler, der 2009 den Liberalen seine Stimme gab, hätte dies 2011 wieder getan. Die FDP hat ihre Anhänger offenbar enttäuscht, für die Probleme der Bundesregierung wird in erster Linie sie verantwortlich gemacht. Über die treuesten Wähler konnten sich 2011 die Grünen freuen. 65 Prozent ihrer Wähler aus dem Jahr 2009 hätten zwei Jahre später wieder die Grünen gewählt. Die Linke konnte ihre Anhänger nicht so gut zufriedenstellen, nur die Hälfte ihrer Wähler hielten der Partei zwei Jahre nach der Bundestagswahl weiterhin die Treue.

 

2. Zufriedenheit mit der Bundesregierung sinkt – auch unter Wählern der Union und FDP

Die schwarz-gelbe Bundesregierung war 2011 bei den Wählern alles andere als beliebt. Auf einer Skala von -5 bis +5 bewerteten die Deutschen die Regierung im Durchschnitt nur mit -1,4. Vor der Wahl 2009 wurde die damalige Große Koalition immerhin mit einem Wert von -0,4 bewertet.

Zufriedenheit mit der Bundesregierung 2011 und 2009
Gewählte Partei 2009

2011

2009

CDU/CSU

-0,1

0,8

SPD

-2,1

-0,4

FDP

-1,3

-0,3

Die Grünen

-2,0

-1,1

Die Linke

-2,1

-2,1

Insgesamt

-1,4

-0,4

Interessanterweise waren sogar die eigenen Anhänger mit der Koalition unzufrieden. Wähler der Union bewerteten die Regierung mit -0,1, zu Zeiten der Großen Koalition waren sie deutlich zufriedener (+0,8). Selbst die FDP-Wähler bewerteten 2011 die derzeitige Regierung schlechter als die Große Koalition 2009, obwohl sie an dieser gar nicht beteiligt waren. Besonders unzufrieden mit der schwarz-gelben Koalition zeigten sich die Wähler der Oppositionsparteien.

 

 

3. Stimmungswechsel in der Frage der Kernenergie nach dem Unglück in Japan

Das Atomunglück in Fukushima am 11. März 2011 hat die Meinungen der deutschen Bevölkerung zur Kernenergie stark verändert. Unsere Befragung im Frühjahr 2011 fand zum Teil vor und zum Teil nach dem Unglück statt, deshalb können wir gut vergleichen, welcher Meinungswandel stattgefunden hat. Zusätzlich können wir die Meinungen mit den Angaben aus der Befragung zur Bundestagswahl 2009 vergleichen.

Meinungen zur Kernenergie 2009 und 2011

Im Jahr 2009 waren 13 Prozent unserer Befragten dafür, alle Kernkraftwerke sofort abzuschalten. Vor dem Tsunami in Japan lag der Anteil nur ein wenig darüber (17%). Nach dem Unfall in Fukushima jedoch waren ganze 36 Prozent für die sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke, also fast drei Mal so viel wie zwei Jahre zuvor! Gleichzeitig wurde die Frage der Kernenergie 2011 auch als wichtiger wahrgenommen. 2009 empfanden nur 59 Prozent der Befragten dieses Problem als wichtig oder sehr wichtig, nach dem Reaktorunglück 74 Prozent.