Ausgewählte Ergebnisse der Befragung im Herbst 2012

Ausgewählte Ergebnisse der Befragung im Herbst 2012

Ein Jahr vor der Bundestagswahl 2013 haben wir im Herbst 2012 eine Befragung mit ungefähr 1.400 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt, die wir bereits zur Bundestagswahl 2009 befragt hatten. Aus dieser Befragung haben sich einige sehr interessante Ergebnisse zur Veränderung der Ansichten der Deutschen zur nationalen und internationalen Politik ergeben.

1. Wechselwahl – FDP und Die Linke verlieren, SPD im Aufwind

2. Wahrnehmung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage 2009, 2011 und 2012

3. Zufriedenheit mit der Leistung der Regierung und der Opposition

4. Die K-Frage: Merkel oder Steinbrück?

5. Die Piraten, das unbekannte Wesen

6. Zur Eurokrise: Griechenland, das Sorgenkind der Eurozone

 

1. Wechselwahl – FDP und Die Linke verlieren, SPD im Aufwind

Wie sehen die Wahlabsichten der Deutschen ein Jahr vor der Bundestagswahl im Vergleich zu der letzten Bundestagswahl 2009 aus? Die Ergebnisse der Regierungsparteien unterscheiden sich deutlich: Während sich CDU/CSU um gut 2 Prozentpunkte verbessern konnten, verliert die FDP im Vergleich zu der Bundestagswahl 2009 knapp 10 Prozentpunkte. Die SPD hat ein deutliches Plus von knapp 10 Prozentpunkten zu verzeichnen. Auch die Grünen konnten sich um rund 4 Prozentpunkte verbessern. Die Linke muss wie die FDP starke Einbußen von etwa 8 Prozentpunkten hinnehmen. Die Piratenpartei verbessert sich in unsren Umfragewerten dagegen um 2 Prozentpunkte.

Veränderung der Wahlabsichten zwischen 2009 und 2012

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Bundestagswahl im September 2013? Mit voreiligen Schlüssen sollte man stets vorsichtig sein. Es ist aber erkennbar, dass SPD und Grüne noch einige Anstrengungen unternehmen müssen, sollten sie die Regierung aus CDU/CSU und FDP ablösen wollen. Denn trotz der Gewinne der SPD und der Grünen würde ihr gemeinsamer Stimmenanteil nicht ausreichen, um den Kanzler stellen zu können. Entscheidend wird hierbei sein, wie sich die Spitzenkandidaten im Wahlkampf schlagen, welche Themen in den Parteiprogrammen besonders hervorgehoben werden und welche Strategie die Parteien verfolgen. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass der Wahlkampf noch einen großen Einfluss haben kann, viele Wähler entscheiden sich erst in den letzten Wochen vor der Wahl.

Die Bundestagswahl ist also noch nicht entschieden, erste Trends lassen sich aber bereits erkennen. Die Union kann sich auf hohem Niveau weiter verbessern und wird aller Voraussicht nach erneut die größte Fraktion stellen können. Sie muss aber auf den Wiedereinzug der FDP in den Bundestag hoffen, um die schwarz-gelbe Koalition fortsetzen zu können. Die SPD und die Grünen müssen ihre Anhängerschaft mit einem guten Wahlkampf mobilisieren und versuchen viele noch unentschlossene Wähler zu überzeugen, wenn sie nach der Wahl im September 2013 die Regierung stellen möchten. Da die Linke starke Verluste zu verzeichnen hat wird sie ihr gutes Ergebnis aus 2009 vermutlich nicht halten könnten. Aufgrund der großen Unterstützung in den neuen Bundesländern wird es aber wahrscheinlich für den Einzug den Bundestag reichen. Die Piratenpartei hingegen wird enorme Anstrengungen unternehmen müssen, um erstmals in den Bundestag einziehen zu können. Sie muss dafür im Wahlkampf personell und inhaltlich geschlossen und überzeugend auftreten.

 


2. Wahrnehmung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage 2009, 2011 und 2012

Die letzten Jahre waren durch die Folgen der Wirtschaftskrise 2008 geprägt. In den Jahren 2010 und 2011 verbesserte sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland deutlich, das Wirtschaftswachstum stieg auf über drei Prozent. Das Jahr 2012 wurde von vielen Unsicherheiten innerhalb des gemeinsamen Wirtschaftsraums in Europa begleitet. Allem voran wurde Griechenland ein Synonym für die unsichere Zukunft des Euro. Die Bevölkerung in Deutschland ließ sich von diesen Entwicklungen kaum beeindrucken. Im Jahr 2011 betrachteten 44 Prozent der Befragten die allgemeine wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut, ein Jahr später stieg dieser Wert sogar noch um etwa 3 Prozentpunkte und befindet sich derzeit bei knapp 47 Prozent.

Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage (gut oder sehr gut)

Aus diesen Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die Bevölkerung die derzeitige wirtschaftliche Lage für sehr stabil hält. Dies kann ebenfalls einen Einfluss auf die Bundestagswahl 2013 haben, da sich eine wirtschaftliche Zufriedenheit meistens auch auf das Wahlverhalten auswirkt.

 

 

3. Zufriedenheit mit der Leistung der Regierung und der Opposition

Ein wichtiges Anzeichen für die Erfolgsaussichten der Regierung bei der Bundestagwahl ist die Zufriedenheit der Wähler mit ihren Leistungen. In unserer Befragung zeigen sich knapp 42 Prozent zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, 41 Prozent hingegen sind nicht zufrieden mit ihrer Arbeit. Die Zahlen sprechen demnach für ein ausgeglichenes Meinungsbild, Lob und Kritik halten sich in etwa die Waage.

Leistung der Bundesregierung

Wie beurteilen die Wähler die Leistungen der einzelnen Parteien in der Regierung?

Zufriedenheit mit der Leistung der Regierungsparteien: CDU, CSU, FDP

Bei der Betrachtung der Leistungen der einzelnen Regierungsparteien zeigen sich über 50 Prozent der Befragten mit der Arbeit der CDU in der Bundesregierung zufrieden. Damit ist eine knappe Mehrheit zufrieden mit der Leistung der CDU. Möglicherweise profitiert die Partei von Angela Merkel von der Beliebtheit der Kanzlerin. Mit den Leistungen der CSU sind hingegen nur etwa 32 Prozent der Wählerinnen und Wähler zufrieden. Dies sind aber keine schlechten Werte wenn man bedenkt, dass die CSU nur in Bayern zu wählen ist. Die FDP hat deutlich schlechtere Werte als CDU und CSU. Mit rund 18 Prozent schneidet sie am schlechtesten von allen drei Regierungsparteien ab. Dass offensichtlich ein Großteil der Wählerinnen und Wähler mit der FDP unzufrieden ist, zeigt sich auch in dem starken Stimmenverlust in der Sonntagsfrage. Für Unstimmigkeiten in der Regierungskoalition werden demnach vor allem die Liberalen verantwortlich gemacht.

In der Befragung wurden ebenfalls die Leistungen der Oppositionsparteien thematisiert. Diese leisten im Bundestag einen wichtigen Beitrag zu einer funktionierenden Demokratie, indem sie den Regierungsparteien ihre Fehler entgegenhalten und der Öffentlichkeit ihre Alternativprogramme verständlich darlegen, um für die kommende Bundestagswahl eine attraktive Alternative darzustellen.

Zufriedenheit mit der Leistung der Oppositionsparteien: SPD, Bündnis90/Die Grünen und die Linke

Die SPD hat nach Ansicht unserer Befragten eine gute Oppositionsleistung geboten. Über 46 Prozent bescheinigen, dass sie zufrieden mit der Leistung der SPD sind. Damit erreicht die SPD nahezu dieselben Ergebnisse wie die CDU und scheint eine attraktive Alternative für die Bevölkerung darzustellen. Auch mit den Leistungen der Grünen zeigen sich über 46% unserer Befragten zufrieden. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Zufriedenheit mit der Leistung auf die Wahlabsicht der Bevölkerung durchschlagen wird. Mit den Leistungen der Oppositionspartei Die Linke sind nur rund 19 Prozent der Befragten zufrieden, sie bildet bei den Oppositionsparteien das Schlusslicht, wird aber immerhin etwas besser bewertet als die FDP.

 

 

4. Die K-Frage: Merkel oder Steinbrück?

Die SPD bestimmte im Oktober 2012 Peer Steinbrück als ihren Kanzlerkandidaten, um Kanzlerin Angela Merkel abzulösen. Daraufhin haben wir unsere Befragten gefragt, welchen Kandidaten der beiden großen Parteien sie am liebsten als Kanzler, beziehungsweise als Kanzlerin hätten. Hierbei konnte sich Angela Merkel mit 49,8 Prozent Unterstützung klar gegen ihren Herausforderer Peer Steinbrück, welcher 36,8 Prozent Zustimmung erhielt, durchsetzen. 10 Prozent unserer Befragten gaben an Keinen der beiden Kanzlerkandidaten als Kanzler beziehungsweise als Kanzlern haben zu wollen.

Kanzlerpräferenz

Die Kanzlerin ist in der Bevölkerung weiterhin sehr beliebt und kann einen starken Amtsinhaberbonus verzeichnen. Der Kanzlerkandidat der SPD wird noch einiges an Zustimmung erarbeiten müssen, um annähernd so beliebt zu werden und den Wählerinnen und Wählern als sympathischer Kanzlerkandidat zu erscheinen. In unserer kommenden Befragung 2013 wird erkennbar sein, ob sich Peer Steinbrück als guter Wahlkämpfer erweisen wird, oder ob Angela Merkel ihre hohen Sympathiewerte halten kann.

 

 

5. Die Piraten, das unbekannte Wesen

Im Jahr 2011 überraschte der große Erfolg der Piratenpartei bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus die gesamte politische Landschaft. Es folgten weitere Erfolge für die Partei bei anderen Landtagswahlen. In unserer Befragung 2012 haben wir deshalb gefragt, was den Wählerinnen und Wählern ganz spontan zur Piratenpartei einfällt.

Was verbinden Sie mit der Piratenpartei?

Fast jeder Fünfte verbindet mit der Piratenpartei eine Organisationsschwäche, die Partei macht in der Öffentlichkeit anscheinend einen unorganisierten und chaotischen Eindruck. Zudem schreiben knapp sechs Prozent der Befragten der Piratenpartei schlechte Leistungen zu. Das Auftreten der Piratenpartei scheint von einem sehr schlechten Ruf begleitet zu sein. Dies erschwert es der Partei für den kommenden Wahlkampf ein positives öffentliches Auftreten zu erreichen. 18 Prozent der Befragten verbinden mit der Piratenpartei verschiedene negative Aspekte: Zum einen wird sie als keine ernstzunehmende Alternative angesehen, zum anderen wird den Befragten nicht klar was die Piraten fordern und erreichen möchten. Eine weitere Gefahr für den Einzug in den Bundestag stellt die wahrgenommene Programmlosigkeit der Partei dar. Dem steht einzig und allein gegenüber, dass die Piratenpartei als sehr junge Partei gesehen wird und sich noch finden und strukturieren muss. Diese spontanen Reaktionen der Befragten legen nahe, dass die Piratenpartei noch viele interne Probleme lösen muss, bevor sie ein ernsthafter Konkurrent im Parteienwettbewerb wird. Fraglich ist, ob dies in den verbleibenden Monaten bis zur Bundestagswahlen zu erreichen ist.

 

 

6. Zur Eurokrise: Griechenland, das Sorgenkind der Eurozone

In der Umfrage 2011 erklärte eine Mehrheit von 34 Prozent, dass sie die Eurokrise als wichtigstes Problem wahrnehmen. In der jetzigen Befragung wollten wir deshalb von den Befragten wissen, wie hoch sie die Gefahren durch die Eurokrise einschätzen. Die Ergebnisse zeigen, dass fast Zwei Drittel der Befragten die Gefahren der Eurokrise als hoch ansehen, lediglich 5 Prozent sehen nur niedrige Gefahren aus der Eurokrise erwachsen.

Gefahren durch die Eurokrise

Diese Gefahren zeigen sich im Fall des möglichen Staatsbankrotts in Griechenland und deren Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft und die gemeinsame Währung. Lange Zeit bestimmte die Frage eines möglichen EU- oder Euroaustritts Griechenlands die europäische und deutsche Politik. Auf unsere Frage, ob Griechenland die Euro-Zone verlassen solle oder in der Währungsgemeinschaft bleiben soll, erklärte eine Mehrheit von 55,5 Prozent, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleiben sollte. Lediglich 44,5 Prozent sprachen sich für einen Austritt aus der Euro-Zone aus.

 

Soll Griechenland…

Um die Meinungen zum Beibehalten oder Verlassen Griechenlands in der Euro-Zone besser zu verstehen, baten wir die Befragten, uns genauer zu erklären, was der Grund für ihre Entscheidung war.

Begründung: Griechenland soll in der Eurozone bleiben

Die zahlreichen Antworten zeigten eine klare Tendenz. Bei denjenigen, die sich für Griechenland in der Eurozone aussprachen, war der europäische Gedanke mit über 33 Prozent der wichtigste Grund. Es zeigt uns, dass viele Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union mehr sehen als eine reine Wirtschaftsgemeinschaft und nicht ausschließlich ökonomische Gedanken ausschlaggebend sein sollten. Ökonomische Gründe sind aber dennoch äußerst wichtige Gründe, um von der jetzigen Politik nicht abzuweichen. Ein Viertel der Befragten erklärten ihre Sorge, dass nicht vorhersehbar wäre, was passieren würde, wenn man Griechenland aus der Euro-Zone entließe. Weitere wichtige Gründe mit jeweils knapp elf Prozent waren zudem die Stabilität der Euro-Zone, die moralische Pflicht Griechenland beim Aufbau der Strukturen zu unterstützen und ein möglicher Dominoeffekt bei einem Austritt Griechenlands.

 

Begründung: Griechenland soll die Eurozone verlassen

Für die Befragten, die sich für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone aussprachen, war der wichtigste Grund für ihre Entscheidung das Verhalten der Griechen. Darunter fällt sowohl das Verhalten der griechischen Bevölkerung als auch der Regierung Griechenlands. Viele sorgten sich um das viele Geld, dass Deutschland durch die Rettungspakete an Griechenland zahle. So meinten rund 25 Prozent, dass es schlecht für Deutschland und den Euro wäre, wenn Griechenland weiterhin in der Eurozone bleiben würde. Weitere 15 Prozent nannten das Vorhaben Griechenland zu retten und so deren Verbleib in der Eurozone zu ermöglichen ein Fass ohne Boden. Ein kleinerer Teil der Befragten war der Meinung, dass Griechenland sich dadurch besser von der schweren Wirtschaftskrise erholen könnte. Andere standen Griechenland eher kritisch entgegen und gaben die gefälschten Bilanzen Griechenlands durch die diese den Beitritt in die Eurozone erreicht hatten als Grund für ihre Haltung zu einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone an. Knapp vier Prozent sagten, dass Griechenland nun die Verantwortung für ihre zum Teil selbstverschuldete Situation tragen müsse und deshalb aus der Eurozone austreten solle. Wie sich die Situation um Griechenland und andere Krisenländer wie Zypern entwickeln wird und welche Auswirkungen dies auf die Bundestagswahl hat, werden wir in unserer nächsten Befragung untersuchen.